Pai - Bergidylle und westlicher Komfort

nun sind wir schon seit 4 Monaten in Pai und haben noch keinen einzigen Beitrag über Pai gepostet. Dafür kommen jetzt gleich zwei. Mal sehen wie viele Überschneidungen es in Toms und meinem Bericht gibt (Toms habe ich absichtlich nicht gelesen!). Normalerweise sind unsere Sichtweisen sehr unterschiedlich, so dass man bei früheren Urlaubsberichten das Gefühl hatte, wir waren in zwei unterschiedlichen Ländern.

In Pai haben wir also das gefunden, was wir gesucht haben: ein offenes Thai-Style-Haus, mit großem Garten, in Zentrumsnähe, umgeben von Reisfeldern. Ich fand es besonders reizvoll, dass wir auf dem Land in einem großen Haus leben. Ein Service-Appartement in Chiang Mai wäre für mich nicht infrage gekommen, da wir ja bereits in Dortmund in einer Wohnung in der Innenstadt leben. Hier haben wir die Chance, etwas anderes auszuprobieren, also haben wir diese auch genutzt.

Den Jungs gefällt es super. Da wir viel Platz haben, keine direkten Nachbarn, nur wenig Einrichtungsgegenstände, können sie toben und schreien so viel sie wollen. Damit wird es für Tom und mich auch entspannter. Dennoch ist der Alltag mit unseren zwei Mäusen anstrengend, wenn man sie rund um die Uhr um sich hat, so dass wir uns schnell um einen Babysitter bemüht haben, um mal abschalten zu können. Niklas Freunde, die hier dauerhaft leben, gehen in eine Art Waldorf (Vor-) Schule, in der bilingual unterrichtet wird. Leider war es nicht möglich, Niklas nur an 3 Tagen dort betreuen zu lassen und eine Vollzeitbetreuung wollten wir nicht. Das bedeutet aber auch, dass Niklas vormittags kaum Kinder zum Spielen zur Verfügung stehen. Dies scheint ihn aber nicht wirklich zu stören. Er vermisst immer noch seine Kindergartenfreunde aus Deutschland, zu denen wir versuchen, so gut wie möglich Kontakt zu halten.
Generell haben wir in Pai schnell Kontakt zu anderen Ausländern knüpfen können, da wir aber die Einzigen sind, die nicht ständig Reisen oder in Thailand leben wollen und nach dieser Auszeit wieder ein „geregeltes“ Leben als Angestellte in Deutschland aufnehmen wollen, unterscheiden wir uns von den anderen. Leider ist es uns in den 6 Monaten in Thailand nicht gelungen intensiven Kontakt zu Thais herzustellen, was hauptsächlich der Sprachbarriere geschuldet ist. Wir beherrschen nicht mehr als 10 Worte Thai! Ich hatte zwar nie ernsthaft vor Thai zu lernen, hatte aber gehofft, dass man nach und nach die einfachsten Sätze beherrscht. Das große Problem ist die Betonung der Worte. Ein Wort wie z.B. „Mah“ kann 5 unterschiedliche Bedeutungen haben, je nach Betonung. Um dies richtig zu beherrschen, müsste man auch lernen Thai zu lesen. Somit bleibt uns ein Großteil der Thai-Kultur verschlossen.
Da wir uns aber Pai als Wohnort ausgesucht haben, sind wir nicht alleine mit diesem „Manko“. Es gibt hier viele Ausländer unterschiedlichster Nationalitäten, die in Pai dauerhaft oder temporär leben und kein bzw. nur wenig Thai sprechen. Es gibt ein großes Angebot an Cafés, Restaurants, Bars, Supermarkt, Massage etc., das auf Touristen (hauptsächlich Backpacker) ausgerichtet ist. Zudem sind die Preise unschlagbar günstig. Sensibilisiert durch meine Arbeit in Deutschland, finde ich es aber immer wieder erstaunlich wie wenig integriert die ausländische Community ist, sei es in Antigua (Guatemala) oder auch hier in Pai. Zumindest haben in Antigua die meisten Spanisch gesprochen.
Auch wenn ich dies kritisch betrachte, muss ich mir aber auch an die eigene Nase fassen. Schließlich genießen wir auch den westlichen Comfort und essen morgens Müsli und Toast und nicht Reissuppe. Wir kaufen westliche Produkte im Supermarkt und haben heute den Sohn unseres Vermieters zum Pizzaessen eingeladen. Auch Yogakurse könnte ich nicht überall in Thailand besuchen.

Was den Reiz Pais vornehmlich ausmacht ist die Bergidylle. Landschaftlich ist das Tal wunderschön. Ich liebe es auf dem Motorroller entlang der Reisfelder und Hügel zu rauschen! Ich werde es vermutlich erst in Deutschland begreifen wie toll sich das Leben hier anfühlt. Insbesondere in den letzten Tagen habe ich gespürt wie sehr ich mich an das warme, sonnige Wetter und das Leben im Freien gewöhnt habe.
Wir hatten vorgestern einen verregneten Tag und das Thermometer kam nicht über 20 Grad-Marke hinaus, so dass ich total deprimiert war und schon mit einer vorzeitigen Abreise aus Pai geliebäugelt habe. Zum Glück ist das Thermometer heute wieder auf 27 Grad geklettert und die Nächte sind wieder angenehme 17 Grad warm. Die Woche zuvor lagen die Nächte bei 6 Grad und das ist wirklich ganz schön kalt, wenn man in einem Holzhaus lebt ohne Isolierung und ohne Heizung oder ähnliches. Den Tieren ist das auch zu kalt: Eines morgens lag ein zitternder Hund auf unserer Couch, die Schlange hat sich am Ufer unseres Teichs aufgewärmt und Nachbarskatze findet unsere Bettdecken auch am kuscheligsten.
Tiere fühlen sich bei uns scheinbar sehr wohl. Auch das Gras scheint auf unserer Seite des Zauns grüner zu sein. Das war jedenfalls die Ansicht des Wasserbüffels, der vom Reisfeld nebenan ausgebüxt ist. Für Niklas und Oscar ist es natürlich toll, dass sie hier auch Erfahrung mit Tieren sammeln können, die sie in Deutschland nicht machen würden.


Nach einem halben Jahr Thailand kann ich nun eindeutig behaupten: Wir haben alles richtig gemacht!












Ausflug in ein Bergdorf in der Umgebung

Besuch bei der Farm



Pai Canyon





Fotoshooting mit Lyse Kong





Unsere temporären Mitbewohner




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